Das A MAZE Festival denkt nicht daran zu sterben

Seit zehn Jahren trifft sich auf dem A MAZE Festival in Berlin die alternative Videospielszene. Nach dem Kampf ums finanzielle Überleben nutzen die Macher*innen die Pandemie, um im Internet eine neue Heimat zu finden.

Das A MAZE Festival denkt nicht daran zu sterben

Ohne Flammenwerfer geht beim A MAZE Festival nichts. Die mit jedem mal spektakulärer werdenden Eröffnungsansprachen von Festivaldirektor Thorsten S. Wiedemann sind unter Besucher*innen schon ein Running Gag. Die echte Pyrotechnik passt zum Selbstbild der A MAZE: Laut, schräg, anders. In diesem Jahr  werden wieder Spezialeffekte abgefeuert, allerdings nur digital. Wiedemann redet nicht mit Megaphon vor hunderten Besucher*innen, sondern wird auf einen virtuellen Bildschirm gestreamt.

Der Treffpunkt der alternativen Spieleszene musste sein Konzept an die weltweit grassierende Pandemie anpassen. 2020 fand die A MAZE unter dem Motto "Total Digital" nur über das Internet statt. Zum zehnten Jubiläum lautet die Überschrift "Hyper Hybrid". Auch dieses Jahr lebt das Festival mit seinen Ausstellungen, Vorträgen und Workshops vor allem im Internet – und blickt trotzdem optimistisch in seine unsichere Zukunft.

Das hybride A MAZE Festival 2021 lässt sich auf YouTube nachholen – zumindest sein digitaler Teil.

Zehn Jahre Kampf ums Überleben

Schon bevor die Corona-Pandemie die Veranstaltungsbranche zum Erliegen gebracht hat, war die Zukunft A MAZE unsicher. Im Jahr 2019 wurde eine wichtige Kulturförderung vom Land Berlin nicht genehmigt. Es war ein herber Schlag für die Veranstaltung, die einerseits gerne auf die unvermeidbaren Sponsoren aus der Industrie verzichten würde, andererseits aber seit Jahren nach finanzieller Stabilität sucht.

"Wir sind jetzt ausgezeichnete Masters of Struggle", sagt Wiedemann. Der Kampfgeist passt zum Selbstverständnis des Festivals, dessen Macher*innen sich bewusst vom kommerziellen Mainstream abgrenzen. Seit Wiedemann 2012 das erste Mal ein Event für die lokale Indie-Game-Szene organisierte, ist die A MAZE zu einer Institution mit treuen Unterstützer*innen geworden. Bei einer Crowdfunding-Kampagne vor zwei Jahren sammeln diese 57.000 Euro, um das Festival zumindest kurzfristig finanziell zu stabilisieren.

Von Planungssicherheit waren die Macher*innen trotzdem weit entfernt. Mal sammelten sich Besucher*innen um den Pool der Strandbar Haubentaucher, immer wieder im Ausstellungsraum des Urban Spree und 2019 zuletzt im DDR-Bau SEZ. Die größtenteils ehrenamtlichen Helfer*innen verwandeln jedes mal einen anderen Ort für ein paar Tage in ein interaktives Museum für experimentelle Videospiele – aber eben doch immer wieder auch mit Hilfe unpunkiger Sponsoren wie Amazon, InnoGames und Warsteiner.

Das A MAZE Festival gibt in seinem Konferenzprogramm unterrepräsentierten Stimmen eine Plattform.

Endlich eine Heimat im Internet

Immerhin die Suche nach der Location hat sich mit Corona geändert. Die A MAZE hat nun endlich einen Ort nur für sich allein, nur eben im Internet. Der A MAZE Space ist ein frei begehbares Multiplayer-Museum. Selbst wenn der Geruch von Mate, Kippen und Bier fehlt, fängt der Space die Atmosphäre des Festivals so gut es geht ein. Der brutalistische Bau, der von Gäste mit Flamingo-Avataren gefüllt wird, sieht so aus, wie man sich eine virtuelle A MAZE eben vorstellen würde.

"Es ist sehr cool, weil es sich für mich wie ein echter Raum anfühlt", sagt Moshe Linke. Der Gamedesigner ist der Architekt des A MAZE Space. Als Wiedemann ihn letztes Jahr auf die Möglichkeit eines virtuellen Festivals anspricht, stellt er kurzfristig das Leveldesign seiner Spiele Brutalism: Prelude on Stone und Neo Brutalism of Tomorrow zur Verfügung. Wieder einmal muss das Festival also einen neuen Raum zu seinem eigenen machen.

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