Die neue Konsolengeneration ist nicht nur die Konsolengeneration mit den schnellsten Prozessoren, sie ist auch die am schnellsten verkaufte aller Zeiten. Zehn Millionen PlayStation 5 und sechs Millionen Xboxen der Series X und Series S wurden in weniger als einem Jahr abgesetzt. Diese Rekordverkaufszahlen könnten fast darüber hinwegtäuschen, dass die mittlerweile neunte Konsolengeneration einen holprigen Start hingelegt hat. Denn obwohl die Geräte im letzten November passend zum Weihnachtsgeschäft erschienen sind, blieb der Platz unterm Baum bei vielen Gamer*innen leer. Seit fast einem Jahr sind die Regale im nächstgelegenen Elektronikfachmarkt zwar mit Controllern und Spielen gefüllt, von den Konsolen-Kartons fehlt aber jede Spur.

"Die Nachfrage nach der PS5 übersteigt nach wie vor bei weitem das Angebot", erklärt Petra Fröhlich die für viele frustrierende Situation. Einige der weltweit mittlerweile 16 Millionen Besitzer*innen einer Next-Gen-Hardware haben ihren erfolgreichen Konsolenkauf der Journalistin zu verdanken. Die Chefredakteurin von GamesWirtschaft macht seit Monaten ganz ohne Naserümpfen klassischen Servicejournalismus. In ihrem täglichen Konsolenticker verrät sie, wo gerade eine Charge der begehrten Konsolen zum Verkauf steht, verhilft ihren Leser*innen zum Erfolg – und hat auch selbst etwas davon.

Tägliche Updates von Morgens bis Abends

"Sobald ein Kontingent in einem Online-Shop auftaucht, ist die Ware meist binnen weniger Minuten vergriffen", sagt Fröhlich. Sie schätzt, dass die Länge der Wartelisten die verfügbaren Konsolen um ein vielfaches übersteigt. "Wer einem geregelten Beruf nachgeht, hat keine Chance – zumal immer noch zwei, drei Wochen vergehen, ehe es bei Amazon oder MediaMarkt oder Expert überhaupt wieder Ware gibt."

Bei dieser Lotterie die Übersicht zu behalten ist für Fröhlich viel Arbeit. "Mein Tag startet gegen 7 Uhr morgens, damit gegen 8:30 Uhr das erste Update auf Sendung ist", sagt sie. Pro Tag stecke sie drei Stunden oder mehr in die Ticker-Meldungen, schätzt die Journalistin. Mittlerweile erscheint dieser täglich. "Der PS5-Ticker lief zuvor monatelang im Kalenderwochenrhythmus mit regelmäßigen Updates. Allerdings ist täglich so viel passiert, dass ich spätestens am Dienstagabend stets eine Wand aus Updates und Hunderten Kommentaren mitgeschleppt habe."

Von Montag bis Freitag listet Fröhlich neue Angebote bei Versandhändlern, erstellt Infografiken und gibt darüber hinaus Ratschläge zum Kauf – etwa, bei welchem Händler man besser nicht den Einkaufswagen aktualisiert, um nicht den Platz in der Warteschlange zu verlieren. Viele der Einträge sind per Sternchen als Affiliate-Links gekennzeichnet. An jedem erfolgreich vermittelten Konsolen-Kauf profitiert sie also auch ganz direkt mit.

Petra Fröhlich macht eigentlich Nachrichten für ein Fachpublikum. Durch gute Vernetzung und harte Arbeit hat sie ihre Reichweite vervielfacht. (Quelle: GamesWirtschaft)

Servicejournalismus für eine neue Zielgruppe

GamesWirtschaft richtet sich mit seinen Branchennachrichten normalerweise nicht direkt an Endkund*innen. Das hat sich mit dem Ticker geändert. "Pro Tag treffen immer noch mindestens 100 Mails rund um die PlayStation 5 ein, und die Rückmeldungen gehen wirklich zu Herzen", sagt Fröhlich. "Viele jagen der Konsole schon seit Monaten hinterher und schicken nach erfolgter Lieferung förmliche Dankesbriefe und Fotos von der Beute – obwohl wir die Konsole ja weder produzieren noch verkaufen."

Allein im vergangenen Monat kamen mehr als 3.000 Follower*innen auf Twitter dazu. "Auch der Website-Hoster hat mehr als einmal besorgt nachgefragt, weil die Server in die Knie gingen", so Fröhlich. Viele der neuen Leser*innen würden auch weiterhin folgen, sobald sie sie eine Konsole erwischt haben. Dass Fröhlichs Ticker so gut funktioniert, liegt also nicht nur an Insider-Infos, sondern vor allem ihrer Fleißarbeit. "Man schaut sich an, wie ein Händler zuletzt gelaufen ist, man bewertet das Umfeld und erkennt bestimmte Muster", sagt sie. "Hinzu kommen einige gut informierte Insider, zwei, drei Bots und intensive Social-Media-Beobachtung."

"Die schlimmste und gleichzeitig schönste Phase war der November und Dezember 2020, als einige namhafte Händler nicht in der Lage waren, die PS5-Vorbestellungen auszuführen", sagt sie. "Zu diesem Zeitpunkt war GamesWirtschaft das einzige Portal, das Informationen über Liefermengen und -termine systematisch zusammenstellte, ordnete und veröffentlichte – also klassisches journalistisches Handwerk." GamesWirtschaft habe praktisch den besonders im Weihnachtsgeschäft fehlenden Kunden-Support übernommen, was dankbar aufgenommen wurde.

Fröhlich illustriert ihre intensive Marktbeobachtung auch in Infografiken. (Quelle: GamesWirtschaft)

Noch ist der Zirkus nicht vorbei

Trotz der Lieferschwierigkeiten bezeichnet Fröhlich den Start der neunten Konsolengeneration nicht als missglückt. "Ganz im Gegenteil", sagt sie. "Wir haben ja ganz nebenbei noch eine Pandemie, wodurch Produktions- und Lieferketten beeinträchtigt werden." Angesichts der anhaltenden Chip-Knappheit sei es schon ein Wunder, dass überhaupt Paletten mit den begehrten Konsolen Deutschland erreichen. Und die Vorhersagen werden bisher mehr als erfüllt.

Ob Fröhlich mit dem Ticker bald einjähriges Jubiläum feiert, hängt von der weiteren Verfügbarkeit der Konsolen ab. "Inzwischen ist auch in Deutschland eine gewisse Grundversorgung spürbar", sagt sie. Dennoch wird die angespannte Situation ihrer Ansicht nach mindestens bis zum Weihnachtsgeschäft anhalten. "Ich blicke da recht ambivalent auf die Situation: Ich freu mich auf den Tag X, wenn der Zirkus halbwegs vorbei ist", sagt Fröhlich. "Andererseits ist es doch ein ganz schönes Gefühl, wenn man normalen Leuten helfen kann, die einfach nur eine Spielkonsole kaufen wollen."


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