Dieses Blockchain-Spiel verspricht Menschen in Südostasien ein besseres Leben

Mit Axie Infinity hatten vorwiegend philippinische Menschen eine Alternative zu ihren normalen Berufen gefunden. Dem NFT-Onlinespiel könnte jedoch ein ökonomischer Kollaps bevorstehen – und er hat bereits begonnen.

Dieses Blockchain-Spiel verspricht Menschen in Südostasien ein besseres Leben
Ist die Blockchain eine Lösung auf der Suche nach einem Problem? Spiele wie Axie Infinity wollen eine Antwort sein. (Quelle: Sky Mavis)

Morgens, wenn der Wecker klingelt, checkt Jonas zuallererst sein Handy. Nicht für Instagram oder Twitter. Jonas sucht einen "Schnapper", wie er sagt. Er öffnet einen Marktplatz in seinem Webbrowser. Zwei Listen ploppen auf: eine für das, was Jonas noch kaufen kann und eine für das, was schon verkauft wurde. Die Preise sind fast ausschließlich dreistellig, ein paar gibt es auch für 85 Dollar. Die aber fallen nicht unter die Kategorie "Schnapper", die Jonas braucht. Er findet nicht was er sucht, sein digitaler Geldbeutel bleibt zu. Erst jetzt startet er in den Tag.

Jonas, der seinen richtigen Namen lieber nicht nennen möchte, sucht nicht nach Aktien oder Kunstobjekten, sondern spielt Axie Infinity, ein Blockchain-Game, entwickelt von der vietnamesischen Firma Sky Mavis. Darin dreht sich alles die namensgebenden Axies, kleine Monster, die im Kern an Pokémon angelehnt sind. Jedes Axie ist ein Non-Fungible Token, oder kurz NFT. Dabei handelt es sich um ein Echtheitszertifikat für ein dazugehöriges virtuelles Objekt, das auf einer Blockchain gespeichert wird, während das Objekt selbst auch abseits davon existieren kann.

Axies sind ein spekulatives Finanzprodukt

Axie Infinity basiert auf dem Konzept "Play-to-Earn", kurz P2E. Die Bezeichnung ist selbsterklärend: Wer spielt, erwirtschaftet sich zwei Währungen des Spiels, nämlich "Smooth Love Potion" (SLP) und "Axie Infinity Shards" (AXS). Bei beiden handelt es sich um sogenannte Tokens. AXS ist hinsichtlich seiner Funktion etwa vergleichbar mit normalen Aktien. Die Spieler*innen können durch ihre Stimmrechte bei der Entwicklung der Plattform mitbestimmen. Sky Mavis selbst geht davon aus, dass das Unternehmen bis 2023 keine Mehrheitsrechte mehr hat, und Axie Infinity einige Zeit später dann vollkommen dezentralisiert ist.

Axie Infinity ist ein Play-to-Earn-Spiel, das auf NFT-Technologie basiert. (Credit: Sky Mavis)

Während die Anzahl an AXS auf 270 Millionen Stück gekappt ist, gibt es bei SLP, die man durch Absolvieren täglicher Aufgaben bekommt, keine Obergrenze. Im Gegensatz zu AXS kann SLP aber auch verbraucht werden, nämlich durch das Züchten von Axies. Beide Tokens haben einen Wert, der, wie bei anderen Spekulationsobjekten, zwischen 8 Cent bis 140 Euro schwankt. Axies sind also im Kern ein spekulatives Finanzprodukt. Um mitspielen zu können, müssen sich Spielende drei Axies kaufen. Der Preis ist von Angebot und Nachfrage, sowie den Fähigkeiten der Axies bestimmt. Das teuerste je verkaufte Axie soll beispielsweise 115 ETH gekostet haben. Zum Zeitpunkt des Verkaufs dürften das um die 375.000 Dollar gewesen sein. Heute beträgt der Wert des Axies über 1,5 Millionen Dollar.

"Ich denke vor dem Schlafengehen und direkt nach dem Aufstehen an Axie"

Jonas hat für seine ersten drei Axies zwischen 800 und 900 Euro bezahlt. "Das war keine große Hürde für mich", sagt er heute. Denn ab Tag eins erarbeite man sich das Geld zurück, oder zumindest erarbeite man sich einen Wert. Er formuliert das so, weil er sich das Geld nicht auszahlen lässt. Jonas reinvestiert das SLP, das er erwirtschaftet, um neue Axies zu brüten und diese wiederum auf dem Marktplatz anzubieten.

Axies kann man aber nicht nur verkaufen, man kann sie auch verleihen. Verleihende bekommen 40 Prozent der monatlichen Erträge ihrer "Scholars". So heißen die Spieler*innen, die sich die Axies ausleihen, statt eigene zu kaufen. Diese Funktion hat sich in weiten Teilen Südostasiens verselbstständigt. Besonders in den Philippinen ist es für manche zu einem Job geworden, Axie Infinity zu spielen. Denn das Spiel bietet Einheimischen in seltenen Fällen ein höheres Einkommen als ihr Hauptberuf. Das ist aber nur bei besonders erfolgreichen Spieler*innen der Fall. Der Großteil der Menschen bleibt weit unter der durchschnittlichen Einkommensgrenze.

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