In diesen Videospielen wird das Internet selbst zum Schauplatz

Grell, schräg und nostalgisch: Die Indiespiele Broken Reality und Hypnospace Outlaw erfinden das Internet von gestern neu – mit Likes als Währung und Zensur als Waffe.

In diesen Videospielen wird das Internet selbst zum Schauplatz
(Credit: Dynamic Media Triad)

Der Weg ins Internet führt über eine rosafarbene Marmorbrücke. Delfine springen im Bogen hinüber, am Ende gewährt eine gesichtslose Anime-Figur im Pförtnerhäuschen Eintritt in das digitale Paradies. Willkommen in der "Broken Reality". Im Spiel des mexikanischen Studios Dynamic Media Triad ist das Internet wortwörtlich ein begehbares Neuland. Onlineshops haben Filialen, das Datingportal lädt auf eine Kreuzfahrt ein und Malware wird zur Straßensperre.

Likes sind in Broken Reality eine Währung. Sie steigern beim Level-up nicht die Charakterwerte der Spielfigur, sondern ihre Popularität. Wer beliebt genug ist, erhält Zutritt zu immer exklusiveren Bereichen dieser überzeichneten Version eines sozialen Netzwerks. Und so sitzt der Daumen stets wie bei einem Ego-Shooter klickbereit gezückt in der Ecke des Bildschirms.

Like-Daumen statt Shotgun

Die Satire von Broken Reality ist so wenig subtil wie der Name. "Das Spiel macht sich über unser Zwangsverhalten lustig, über den Schein der Onlinewelt und unsere Isolation in Cliquen und Echokammern", sagt Sebastian Covacevich, einer der Entwickler. Um weiterzukommen müssen Spielende so lange Werbung anschauen, bis diese goldene Daumen fallen lässt – so wie Super Mario die Münzen aus Kisten prügelt. Und man fühlt sich ertappt, weil man selbst auf diese Parodie eines Belohnungssystems reinfällt, das sinnlosen Konsum mit bunten Bildern und Dopaminschüben belohnt.

Die bizarre 3D-Welt erinnert an Second Life – zumindest, wenn man sich noch an den längst verpufften Hype erinnert. "Oh, ja, absolut!", gibt Covacevich zu. "Aber es ist eine Betrachtung von außen. Ich habe mich eher von meinem Leben in World of Warcraft inspirieren lassen."

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