Dieses AAA-Studio interessiert sich nicht für Geld

Das Berliner Künstler*innen-Kollektiv AAA macht Spiele abseits von Mainstream und Indieszene. Ihnen geht es nicht um Erfolg, sondern um das Erschaffen einer Utopie.

Dieses AAA-Studio interessiert sich nicht für Geld

In Utopias: Navigating Without Coordinates enthauptet man keine Zombies oder erschießt plündernde Demonstranten in Kapuzenpullovern. Das Berliner Künstler*innen-Kollektivs AAA versucht mit ihrem Spiel stattdessen positive Szenarien zu entwerfen. In Utopias besuchen Spieler*innen ein Spa voller außerirdischer Wesen oder fliegen als ein Vogel frei durch die Spielwelt, obwohl dieser gleichzeitig noch in seinem Käfig steckt.

"Du wirst beim Versuch, eine Utopie zu erreichen, immer auch ein Stück weit scheitern", erklärt Jira Duguid, eine der Gründerinnen des Kollektivs. Sie sagt das ohne Resignation: "Scheitern ist Teil des Prozesses." Sie ist nicht nur im Spiel auf der Suche nach einer Utopie. Die Australierin gründete das Kollektiv AAA nach ihrem Umzug nach Berlin, weil ihr ein Netzwerk Gleichgesinnter fehlte.

Die fand sie in Chloê Langford, Gabriel Helfenstein und anderen Mitstreiter*innen, die über die Zeit dazu kamen. In einer Kunstgalerie in Berlin stellte das Kollektiv im letzten Jahr sein neuestes Werk Utopias vor. Jetzt steht es als kostenloser Download auf der Gamingplattform itch.io bereit. Wie schon die vorherigen Arbeiten von AAA liegt auch ihr neuestes Spiel zwischen Kunst und Videospiel.

Der Name des Kollektivs ist mit Selbstironie gewählt. Die drei A bezeichnen üblicherweise nur die größten und teuersten Produkte, die die Spieleindustrie hervorbringt. Die mehr als 200 Quadratkilometer große Stadt in GTA V oder die fotorealistische Grafik von The Last Of Us Part II sind Beispiele für das, wofür AAA üblicherweise steht.‌

Utopias ist Mario Party aus der Hölle

Davon könnte das unpolierte und unangepasste Utopias nicht weiter entfernt sein. Das Berliner Kollektiv bricht so trotzig mit bestehenden Normen, dass sie selbst in der Indieszene Außenseiter sind. AAA machen "art games", Spielekunst.

Jira Duguid sieht das Kollektiv als Teil "eines größeren digitalen Untergrunds, der Kunst mit Computern macht." Ihre abstrakten Spiele sind eine Reaktion auf ihre Frustrationen mit den Produktionen des Spielemainstreams und mit dem Kunstbetrieb, zwischen denen sich das AAA-Kollektiv wiederfindet. Ihre Spiele sollen für alle zugänglich sein, nicht nur für Gamer*innen oder Kunstinteressierte.

Die Mitglieder des Kollektivs kommen aus Australien, Russland, Frankreich und Argentinien. Für Utopias hat jedes von ihnen ein eigenes Spiel entwickelt. Sie beschreiben es – und dabei müssen sie selbst lachen – als "Mario Party aus der Hölle". Es ist eine Sammlung von Minispielen, die keine zentrale Spielmechanik besitzt. Die einzelne Levels einer größeren Spielwelt sind über einen Hub miteinander verbunden, aber haben sonst nur wenig miteinander gemein.

"Es ist ein ständiger Kampf"

Statt auf eine einheitliche künstlerische Vision hinzuarbeiten, trägt jedes Mitglied von AAA mit seiner eigenen Stimme zum Gesamtwerk bei. Die Mitglieder des Kollektivs helfen sich gegenseitig, aber es gibt keine starre Hierarchie: Egal ob Gamedesigner*in oder Gestalter*in der Webseite – alle haben den gleichen Stellenwert.

Für den Entwickler von Space Warlord Organ Trading Simulator ist Perfektion Nebensache
Die kommerziell erfolgreichsten Spiele sind oft die, in die besonders viel Zeit für Feinschliff investiert wird. Xalavier Nelson Jr. zeigt, dass sich das Unperfekte auch finanziell lohnen kann.

"Wir wollen Muster vermeiden, durch die es eine Top-Down-Struktur gibt", fügt Duguid hinzu. Ob in der Spieleindustrie oder im Kunstbetrieb, es gäbe immer einen Zwischenhändler, der versuche, Profit oder Anerkennung aus der Arbeit anderer zu schlagen. "Es ist ein ständiger Kampf. Wir wollen eine Methode finden, Spiele zu machen, bei der niemand unterdrückt wird."

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